Entwerfen und Nachhaltiges Bauen
Können Bildung und Wissensaustausch bestehende Strukturen und Gesellschaften beein- flussen und verändern? Wie kann Lernen und Forschen einen Beitrag im ländlichen Raum schaffen und den Austausch zwischen Stadt und Land fördern? Welche Rolle können freie Lernkonzepte einnehmen? Der interdisziplinäre Austausch von Wissen und Perspektiven stärkt Gemeinschaft und Identität – Bildung steht für Entwicklung. Im Schatten der Großstädte Berlin, Hamburg, Magdeburg und Lübeck soll ein Bildungs-Hub in Form eines Außenstandortes der Universitäten im Kontext der Bestandsstrukturen der Komturei in der Hansestadt Werben entwickelt werden. Im Dialog mit der Stadt, deren Bewohnern und Umgebung untersuchen wir welche Syner- gien ein Bau der Bildung und des Wissensaustausches vor Ort schaffen kann. Wie kann dieser den ländlichen Raum stärken? Wie sehen die Räume freier Lernkonzepte aus? Können die dort bestehenden, baulichen Strukturen weitergenutzt werden und mit neuer Nutzung einen Entwicklungseffekt auf die Umgebung haben? Zusammen mit dem Architekturkollektiv OFEA aus Berlin wollen wir uns in einem Workshop vor Ort mit dem Kontext, Potentialen und der Substanz der Bestandsgebäude befassen. (Aufgabenstellung)
Die neue Komturei in Werben bietet einen Raum um neue Bekanntschaften zu machen und gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Sie bietet auch den Bewohnern von Werben einen Ort der Gemeinschaft. Eine neue Veranstaltungsfläche mit Seminarräumen stärkt die Attraktivität der Stadt im Gemeindeverbund. Der neue Marktplatz ist eine Anlaufstelle für alle. Er bietet eine Packetstation, einen 24h Supermarktautomaten und ein kleines Selbstbedienungscafé, Der ehemalige Stall beherbergt eine laute und eine leise Arbeitszone. Auf der lauten Arbeitsfläche kann experimentiert und geforscht werden. Handwerker, Materialforscher, Workshops und viele andere können dort ihre Kompetenzen zusammenführen. Die leisen Bereiche beherbergen ein Studio für Modedesigner, Fotografen oder ähnliche freischaffende Künstler. Außerdem gliedert sich ein dreigeschossiges Co-Working Space an das Studio an.
Für die Gäste gibt es zwei verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten auf dem Gelände der neuen Komturei. Das Verwalterhaus kann in seiner neuen Gestalt bis zu 15 Personen beherbergen. Diese Unterkunft ist für Gäste vorgesehen, welche sich einen längeren Zeitraum in der Komturei aufhalten, beispielsweise ein halbes oder ganzes Jahr. Sie bilden eine Wohngemeinschaft.
Die neu geordnete Erschließung ermöglicht eine barrierefreie Erschließung aller Geschosse und wird nun über das ehemalige Untergeschoss erschlossen. Die Treppe führt umgehend in das ehemalige Erdgeschoss. Das Verwalterhaus sticht durch eine offene Gestaltung und den, an der Gemeinschaft orientierten, Bewegungsflüssen hervor. Im linken Gebäudeteil sind die gemeinschaftlich genutzten Räume untergebracht, inklusive einer großzügigen Küche sowie einem vielseitig nutzbaren Gemeinschaftsraum im Obergeschoss. Die neue Erschließung bildet zudem eine Filterschicht hin zu dem Komtureigelände und ermöglicht den Bewohnern ein gewisses Maß an Privatsphäre. Die einzelnen Galerien, von denen man einen guten Blick in Richtung des Marktplatzes hat, laden zum Verweilen ein. Die Bewohnerzimmer im östlichen Gebäudeteil verfügen je über ein eigenes Badezimmer sowie individuelle Ausstattung.
Eine weitere Unterkunftsmöglichkeit bieten die Pavillions auf der Obstwiese. Diese sind für Gruppen, welche sich für ein paar Tage auf dem Gelände aufhalten. Ein Pavillion kann bis zu 11 Personen beherbergen. In der ersten Ausbaustufe wird nur ein Pavillion vorgesehen. Im späteren Verlauf kann die Zahl auf bis zu vier erhöht werden.
Das Energiekonzept des Verwalterhaus sieht eine passive Nachtauskühlung des Gebäudes vor. Dazu sind Zuluftöffnungen im Bereich der Fenster vorgesehen sowie Durchströmöffnungen im Seitenbereich der Bewohnerzimmertüren. Eine Abluftöffnung oberhalb des neuen Erschießungskerns leitet die warme Luft nach außen. Die erneuerte Lehmbaudecke ist mit Heiz- und Kühlelementen ausgestattet, welche die Temperierung aktiv unterstützen können. Das Dach ist vollständig mit modernen Photovoltaikdachziegeln gedeckt.
Als Fassadenmaterial wurde Holz gewählt, da es sich gut in die naturnahe Umgebung einordnet. Zudem stellt es einen Kontrast zur massiven Mauerwerksbauweise des Bestandes dar und macht somit den feinfühligen Eingriff sichtbar.