Entwerfen und Nachhaltiges Bauen

Im Rahmen einer Pflichtleistung, Fachmodul F, während meines Masterstudiums musste in einer Zweiergruppe eine Klimaanalyse für zwei unterschiedliche Standorte erstellt und anschließend ein Entwurf für die beiden Standorte entwickelt werden. Wir haben uns für Toronto und Marrakech entschieden. Zuerst haben wir jeder einen Standort analysiert, ich habe den Standort in Marrakech analysiert. Nach der Analyse wurde getauscht und ich sollte dann den Entwurf für den Standort Toronto entwickeln.

Bei dem Entwurf ging es darum, die Ergebnisse und darauf resultierenden Planungsziele aus der Klimaanalyse umzusetzen. Das bedeutet, dass der Entwurf so effizient wie möglich betrieben werden soll. Das war eine schöne Aufgabe.

Das Grundstück bot eine besondere Herausforderung, da es enorm schmal und lang gezogen ist. In der Breite misst es ungefähr 3,5 Meter und in der Tiefe etwas mehr als 11 Meter. Es liegt an einer mittelmäßig belebten Straße mit einigen Geschäften in direkter Nachbarschaft.

Der Entwurf sollte für eine Patisserie mit Wohnbereich entwickelt werden.

Der Clou an der Patisserie, die Abwärme des Ofens kann in zahlreichen Situationen wiederverwendet werden. So profitiert der Haushalt von dem Ofen.

Die Haupterschließung der Patisserie erfolgt über die Straßenseite. Die Nebenerschließung für die Wohnung sowie der Hintereingang der Patisserie befindet sich an der Hinterseite und ist über einen Parkplatz hinter dem Gebäude erreichbar.

Der Grundriss ist sehr kompakt gehalten und linear organisiert. Die Backstube wird über ein Oberlicht belichtete sowie belüftet. Der Treppenraum durchflutet das Gebäude mit Licht dank der Öffnungen nach Osten im 1. und 2. Obergeschoss. Es wirkt einladend und freundlich. Das Sprichwort „Klein aber Fein“ trifft es meiner Meinung nach sehr gut.

Der kleine Überstand der Obergeschosse über dem Verkaufsraum bieten einen leichten Schutz und lässt die Patisserie in den Vordergrund des Straßenraums treten.

Im Energiekonzept trägt die natürliche Belüftung eine wichtige Rolle. Sie sorgt im recht angenehmen Klima für einen ausreichenden Luftwechsel in den Innenräumen. Die Wärme des Ofens in der Backstube kann bei höheren Temperaturen über das Oberlicht abgeführt werden.

Im Sommer dient die Kühle des Erdreichs der Vortemperierung der Bauteilaktivierung dank eines Wärmetauschers. Die Abwärme des Ofens erwärmt zudem Wasser, welches in einem Schichtenspeicher gespeichert werden kann. Eine PV-Anlage auf dem Dach speist die elektrischen Verbraucher im Haushalt und führt überschüssige Energie in das lokale Energienetz. Eine Brauchwasseranlage ermöglicht die Wiederverwendung von Wasser in der WC-Spülung oder zur gegebenenfalls notwendigen Bewässerung der Dachbegrünung.

Im Winter dient ebenfalls die Erdwärme in Zusammenspiel mit einer Wärmepumpe der Temperierung der Bauteilaktivierung.

Dank minimalem technischen Einsatz kann das Gebäude ganzjährig dem Behaglichkeitsempfinden der Bewohner gerecht werden.

Diese Aufgabe, finde ich, ist eine gute Übung den Entwurf in Einklang mit dem Klima vor Ort zu bringen. Das ist ein wichtiger Entwurfsschritt, denn wir werden in Zukunft äußerst Energieeffizient bauen müssen. Plus-Energie-Häuser werden immer gefragter werden und das nicht ohne Grund. Diese Schritte sollten bei jeder Planungsaufgabe von Anfang an beachtet und mit einbezogen werden.