EIK – Entwerfen und Industrielle Methoden der Hochbaukonstruktion
Mein zweiter Masterentwurf befasste sich mit dem Thema des Sterbens. Für zahlreiche Menschen kommt im Leben ein Punkt, an dem es aus medizinischer und/oder persönlicher Sicht keine Heilung mehr geben wird. Wenn sich nun die letzte verbleibendeZeit, zuhuase eventuell nicht mehr realisieren lässt, gibt es die Möglichkeit ein Hospiz zu beziehen. Dies kann zum Beispiel sein, wenn die Familie oder die Angehörigen nicht über die Möglichkeiten, die Kraft oder auch die Flexibilität verfügen um eine Pflege und Betreuung im eigenen Zuhause zu gewährleisten. Manche möchten auch schlichtweg anderen nicht zur Last fallen. Ein Hospiz bietet somit eine Lösung, eine dauerhafte Pflege für die Betroffenen zu gewährleisten. Damit einbezigen sind nicht nur die jenigen, die Ihre letzten Tage dort verbringen werden, sondern auch die Angehörigen, die häufig die letzten Tage mit Ihnen verbringen. Auch diese werden seelsorgerisch betreut und erfahren Unterstützung.
Zu Beginn des Entwurfs habe ich hier eine kleine Umfrage durchgeführt. Auffällig war, wie wenige bisher in Kontakt mit einem Hospiz gekommen sind. Tatsächlich gibt es vergleichsweise wenige Hospizplätze in Deutschland. Zudem ist der bürokratische Aufwand recht hoch und oft lohnt sich der Platz dann garnicht mehr.
Der überwiegende Teil der Befragten gab an, dass Sie sich ein Hospiz als einen geschützten, stillen und doch eher fröhlich gehaltenen Ort sehen. Das Thema einer Gemeinschaft sowie die Rolle als Teilnehmer gegenüber dem Beobachter wurden gerne als Beschreibung der Rolle eines Bewohners gewählt. Doch was bedeutet eben diese Gemeinschaft? In welcher Umgebung möchte man gerne sterben, wenn man es sich schon aussuchen kann?
Der Großteil der Befragten möchte nach Möglichkeit im Beisein der Familie sowie Freunden seine letzten Tage verbringen.
Doch kann die Gemeinschaft nicht auch intern im Hospiz entstehen? Diesen, sowie der Frage ob man ein Hospiz nicht auch sichtbarer für die Öffentlichkeit machen könnte, nahmen wir uns mit dem Entwurf an.
Die Aufgabe sah die Planung eines Hospizes vor, welches an weitere Nutzungen angrenzente und durch diese erweitert und auch bereichert wird. Gewisse Nutzungen wurden vorgegeben. Zum Beispiel wird ein (Kinder-) Tageshospiz, ein mobiler Hospizdienst sowie eine Fortbildungs- und Forschungsstätte gefordert. Für meinen Entwurf sah ich ein Kindertageshospiz als ungeeignet an und entschied mich dazu, ein reguläres Tageshospiz vorzusehen, da ich zwischen den beiden Hospizarten Tages- und Stationärhospiz zahlreiche Schnittpunkte ausmachen konnte. Zusätzlich sollten wir uns mit einer Nutzung vertraut machen, welche das Hospiz ergänzen kann, um das Stadtleben näher an das Hospiz zu bringen. Wir nannten diese Nutzung immer den „Faktor X“.
Ich habe mich bereits in einem sehr frühen Stadium für eine Bibliothek bzw. eine Bücherei mit einem Café entschieden. In dieser Nutzung sehe ich zahlreiche Vorteile für ein Hospiz. Zum Einen können die Hospizbewohner, bei einer ggf. noch vorhandenen Mobilität, sich dort beschäftigen und verweilen und zum Anderen können die Angehörigen sich dort eventuell für einen Moment zurückziehen. Zudem bildet dieser Faktor X einen Schnittpunkt mit dem Stadtleben und ermöglicht den Kontakt mit der Öffentlichkeit. Auf diesem Wege ist das Hospiz, der Ort an dem Menschen sterben, nicht versteckt und verliert womöglich etwas seinen Schrecken, den der Gedanke an ein Hospiz bei vielen auszulösen vermag.
Bei der Formfindung waren mir folgende Aspekte besonders wichtig:
- Die Form sollte eine gewisse Leichtigkeit und verwobenheit ausdrücken.
- Die Struktur sollte Verbidnungen erlauben und unterschiedliche Nutzungen näher zueinander bringen.
- Die Wirkung nach außen sollte Einladend und nicht verschlossen wirken ohne dabei zu transparent zu sein.
- Bei aller Öffentlichkeit musste es Bereiche geben, welche Schutz und Geborgenheit bieten können.
Weitere Kriterien bei der Grundrissentwicklungen waren, dass die Bewohnerzimmer eine Blick in Richtung des angrenzenden Parks erhalten sollten. Ein Innenhof sollte eine Geschütze Freifläche bilden. Das Café wollte ich gerne von der Straße sowie dem Park aus erschließen. Zudem sollte es über eine Terrasse verfügen, welche das Hospiz nicht stört.
Im Laufe der Entwicklung haben sich die runden Formen durchgesetzt. An den Rundungen gefällt mir zum Beispiel, dass sie eine gewisse Leichtigkeit im Raumfluss vermitteln und die Führung der Hauptverkehrswege somit besonders leicht fällt.
Mein Entwurf zeigt sich zur Straße hin eckig und kantig, lässt jedoch an geeigneten Stellen das Runde durchblitzen und läd durch seine Versprünge ein. Es wird eine Neugierde geweckt um das Gebäude zu betreten und zu erleben. Der Turmartig hervorstechende Raum der Stille ist markant und fällt auf. Er ist ein Blickfang. Zum Park hin wirkt das flache Gebäude zunächst zurückhaltend und durch die geschwungene Form passt es sich an. Der Bibliotheksbereich jedoch ist wieder kantig und zieht mit seiner großzügigen Glasfassade die Blicke auf sich. Die überdachte Öffnung zum Innenhof hat eine filternde Funktion. Sie trennt den Innenhof offensichtlich vom öffentlichen Breich ab und ermöglicht dennoch eine Bewegung und Offenheit zwischen dem Hospizbereich und dem Park bzw. der Öffentlichkeit.
Zur Materialität habe ich mich für eine Stampflehmmassivbauweise entschieden. Lehm in Kombination mit Holz und Glaselementen sorgt für eine äußerst natürliche Haptik sowie für eine warme und wohnliche Atmosphäre. Die rauen Stampflehmwände bieten einem Halt und reizen sämtliche Sinne. Dies war mir wichtig, da in einem Hospiz eventuell Menschen leben, die nicht mehr alle Sinne vollständig und uneingeschränkt nutzen können. Aus diesem Grund müssen alle Sinne gefordert werden um das Hospiz erfahrbar zu machen. Ein weiterer Vorteil der natürlichen Baustoffe ist das hervorragende Klima welches dadurch im Inneren des Gebäudes entsteht.
Als Besonderheiten des Entwurfs haben sich die Bewohnerzimmer sowie der Raum der Stille herausgestellt. Sie haben eine gesonderte Betrachtung und Planung erhalten.
Das Hospiz verfügt über zehn Bewohnerzimmer von denen eines als Familienzimmer genutzt werden kann. Die Bewohnerzimmer sind alle in Richtung des Parks ausgerichtet und öffnen sich dorthin. Jedes verfügt über eine Terrasse sowie einen kleinen Aussenbereich. Dieser ist vom Park geschützt und bietet die nötige Privatheit. Das Zimmer an sich ist offen gestaltet mit Schwungvollen Wandelementen welche für die Ausrichtung sorgen. Es ist darauf ausgelegt, dass sich alles um den Bewohner selbst dreht. Der Bewohner steht im Mittelpunkt. Das Zimmer verfügt über ein eigenes Badezimmer wobei nur die Toilette baulich getrennt ist. Die Dusche ist als offenen Dusche im Zimmer vorgesehen um die Nutzung zu erleichtern und einen wohlfühlfaktor daraus zu ziehen. Das Waschbecken ist in ein Sideboard integriert welche Multifunktional genutzt werden kann.
Eine Wand ist mit zwei Einbauschränken ausgestattet, welche zum Einen als Kleiderschrank sowie Stauraum dienen und zum Anderen ein Schrankbett hervor bringen können um einem Angehörigen einen Schlafplatz zu bieten.
Das Zimmer ist multifunktional und legt einen Fokus auf den Bewohner selbst. Es bietet ausreichend Platz für die Pflege bei hohem Wohlfühlfaktor.
Der Raum der Stille befindet sich in der südlichen Ecke des Gebäudes. Er bietet einen Rückzugsort für alle im Hospiz. Er ist rund und wird über einen schmalen Gang erschlossen. Dieser wirkt wie eine Schwelle vom Alltag hinzu einem Ort, der nur einem selbst gehört, ohne jede Ablenkung. Der Raum der Stille spielt mit der Form, dem Element Wasser sowie dem Element Licht und bringt diese zur Geltung.
Auf zwei Etagen untergliedert entstehen zwei unterschiedliche Räume der Stille. Im Erdgeschoss ist der Raum dunkel und nur durch einen „Spalt“ nach oben fällt Licht herab und beleuchtet den Raum. Im Obergeschoss ist der Raum durch das Oberlicht mit Licht vergleichsweise durchflutet. Auf diese Weise bietet der Raum der Stille immer die Umgebung welche einem gerade am besten liegt.
Alles in Allem zeichnet sich das Hospiz durch seine unterschiedlichen Zonen und Bereiche aus. Es bietet private, halb private und öffentliche Bereiche. Jeder Bewohner, Besucher und Mitarbeiter kann für sich selbst entscheiden welchen Bereich er gerne nutzen möchte. Eine präzise Staffelung der Bereiche sorgt für sanfte Übergänge bei dennoch gut erkennbaren Grenzen.
Dieser Entwurf hat mir enorm viel Spaß gemacht. Zwischendurch ging er mir auch ganz schön auf die Kette weil es sich angefühlt hat als würde nix klappen, aber ich finde das Ergebnis kann sich sehen lassen 😉